Tetiana, 29

„Ich stamme aus einem ganz kleinen Dorf nördlich von Kiew in der Ukraine. Es war wirklich sehr abgelegen. Dort lebten nur wenige Menschen, aber viele Tiere. Es gab kein fließendes Wasser bei uns im Haus, und es war alles sehr naturbelassen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich viel barfuß herumgelaufen bin. 14 Jahre lebte ich dort, bis ich mit meiner Familie in eine Kleinstadt in der Nähe zog. Dort beendete ich nach drei Jahren die Schule und zog nach Schytomyr, um zu studieren. Einen Bachelor in Biologie und einen Master in Psychologie habe ich gemacht. Das war 2012.

Mit dieser Fächerkombination wurde ich gleich Lehrerin. Vormittags begleitete ich ein behindertes Kind an einer Grundschule, nachmittags arbeitete ich als Biolehrerin an einer Realschule. Praktischerweise waren beide Schulen in einem Gebäude. Diese Aufgaben haben mir eigentlich sehr viel Spaß bereitet, aber das Gehalt reichte kaum zum Leben. 2015 zog ich nach Kiew und fing in einem privaten Kindergarten an. Irgendwann entschied ich mich, nach Deutschland zu gehen. Ich kannte mich mit Kinderbetreuung aus, also versuchte ich es als Au Pair.

Ich war zwar schon 26, aber ich fand eine Familie, die mich aufnahm. Die war zwar sehr nett zu mir, aber es fiel mir schwer, mich an das neue Leben in einer fremden Familie anzupassen. Besonders weil ich schon so lange allein und selbständig gelebt hatte. Ich zog das Jahr als Au Pair trotzdem durch und wollte danach auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Ich lernte viel Deutsch und schrieb viele Bewerbungen. Nach der Anerkennung meiner ukrainischen Uniabschlüsse fand ich glücklicherweise eine Stelle als Erzieherin in einem Kindergarten. Mein Fazit lautet: Man muss als Ausländerin sehr viel kämpfen. Es gibt in Deutschland eine Menge Bürokratie, aber wenn man die Nerven behält, dann lohnt es sich am Schluss.“


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