In einer aktuellen Veröffentlichung des IW Köln wird untersucht, wie Unternehmen mit der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse umgehen. Der Report zeigt: Nur wenige Betriebe haben praktische Erfahrungen damit, und zahlreiche Hürden behindern eine reibungslose Umsetzung. Gleichzeitig werden Potenziale sichtbar, wenn Verfahren transparenter und stärker gefördert werden. (IW Köln, IW-Report 2025 – Ausländische Berufsabschlüsse) - Download als PDF
Erfahrungen bisher begrenzt
Nur 17,2 Prozent der Unternehmen haben bislang praktische Erfahrung mit der Anerkennung ausländischer Abschlüsse gesammelt. Von diesen berichten 51,6 Prozent eher von negativen und 39,3 Prozent von positiven Erfahrungen. Auffällig ist, dass insbesondere mittlere und große Unternehmen mit dem Thema vertrauter sind, während kleine Betriebe es häufig als nicht relevant einstufen.
Gründe für Anerkennung
Die Motive der Unternehmen sind vielfältig. Am häufigsten genannt werden Wertschätzung der Mitarbeitenden (72,3 %) sowie die langfristige Bindung von Fachkräften (71,8 %). Daneben spielen die Beschäftigung in reglementierten Berufen, die bessere Einschätzung vorhandener Qualifikationen und die Möglichkeit von Weiterbildungen eine Rolle.
Hürden und Probleme
Als größte Herausforderungen nennen die Unternehmen:
Bürokratische Anforderungen und komplizierte Unterlagen
Lange Wartezeiten
Unklare rechtliche Rahmenbedingungen
Fehlende Transparenz und Informationen
Personelle Engpässe, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen
Unterstützung durch Unternehmen
Trotz der Hürden leisten viele Betriebe bereits Unterstützung. Sie helfen bei der Beschaffung und Übersetzung von Unterlagen (69 %), bieten interne Weiterbildungen an und informieren über mögliche Anerkennungswege. Teilweise übernehmen sie auch Kosten.
Verbesserungsvorschläge
Unternehmen wünschen sich vor allem schnellere Verfahren (ca. 70 %), klarere Beratungsstrukturen (ca. 66 %) und besser aufbereitete Informationen (ca. 64 %). Auch digitale Antragstellung, finanzielle Förderung und mehr Best-Practice-Beispiele werden als hilfreich angesehen.
Bewertung gesetzlicher Änderungen
Die Novellierung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes 2023 wird überwiegend positiv bewertet. Besonders die Möglichkeit von Anerkennungspartnerschaften (74,8 %) sowie Instrumente wie Qualifikationsanalyse und Chancenkarte stoßen auf Zustimmung.
Handlungsempfehlungen
Um die Anerkennungspraxis zu verbessern, empfiehlt der IW-Report unter anderem:
Verfahrensdauer verkürzen und Prozesse digitalisieren
Bessere Information und Beratung für Unternehmen
Einheitliche Standards bei Unterlagen und Übersetzungen
Finanzielle Förderung, besonders für KMU
Sichtbarmachen von Erfolgsgeschichten
Weitere Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen
Fazit
Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse birgt großes Potenzial für den deutschen Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen sehen darin einen wichtigen Baustein für die Fachkräftesicherung. Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, müssen Verfahren einfacher, transparenter und schneller werden – besonders für kleine und mittlere Betriebe.










