Ich komme aus einer kleinen Stadt in der Ukraine, nicht weit von Kyjiw entfernt. Heute lebe ich in Burg bei Magdeburg, und jedes Mal, wenn ich durch die ruhigen Straßen gehe, erinnert mich vieles an meine Heimat. Die kleinen Straßen, die Stille und sogar die alten Plattenbauten fühlen sich manchmal vertraut an.
Eigentlich wollten wir nur zwei Wochen in Deutschland bleiben. Doch aus zwei Wochen wurden vier Jahre, und langsam wurde aus einem fremden Ort ein Zuhause - besonders für meine drei Kinder. Sie gehen hier zur Schule, haben Freunde gefunden und ihre Zukunft beginnt nun in Deutschland.
Am Anfang wurden wir von einer deutschen Familie aufgenommen, die uns vorher nicht kannte. Diese Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft werde ich niemals vergessen. In der Ukraine habe ich Englisch und Weltliteratur studiert. Heute arbeite ich in einer kieferorthopädischen Praxis, während ich auf die Anerkennung meiner Abschlüsse warte. Diese Arbeit hilft mir jeden Tag, besser Deutsch zu lernen. Denn Sprache lernt man nicht nur im Kurs, sondern vor allem im Leben - in Gesprächen, im Alltag und durch die Menschen, denen man begegnet.
Mein großer Traum ist es, wieder als Englischlehrerin zu arbeiten. Ich glaube fest daran, dass man auch nach schweren Zeiten neu anfangen und irgendwo auf der Welt wieder ein Zuhause finden kann.
Es gab eine Zeit, in der ich nach innerer und mentaler Stärke gesucht habe. Eine gute deutsche Freundin von mir schrieb ein Buch über ihre eigene Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Roten Armee fliehen musste. Diese Geschichte hat mich tief bewegt. In vielen Momenten habe ich mich selbst darin wiedergefunden. Gleichzeitig hat mir das Buch geholfen, die deutsche Sprache besser zu verstehen und zu lernen. Es zeigte mir, dass Flucht, Verlust und die Suche nach einem neuen Zuhause Menschen in unterschiedlichen Zeiten miteinander verbinden können.
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