Die "KomBI-Laufbahnberatung"

Im Gespräch: Ahmad Ibrahim aus Syrien

Herr Ahmad Ibrahim, wie kamen Sie auf die Idee, an der KomBI-Laufbahnberatung teilzunehmen?

Im Prinzip hatte ich oft Interesse an solchen Weiterbildungen. Zum Glück hatte ich einen Anruf bekommen von einer befreundeten Kollegin. Sie hatte mich als Projektcoach vorgeschlagen. Für mich war sofort klar: Das ist, was ich suche, und ich werde teilnehmen.

Am Anfang war es schwierig, ich hatte gewisse Anlaufschwierigkeiten. Aber dann ist das Konzept klar geworden und ich hatte eigene Ambitionen, intensiver dran zu arbeiten. Auch wenn das schwer war, das nebenberuflich zu machen. Also auch am Wochenende. Es war schnell klar, das lohnt sich.

Wie verlief die Qualifizierung, was haben Sie daraus mitgenommen?

Es war auf jeden Fall eine harte und entbehrungsreiche Qualifizierung, uns wurde viel abverlangt, es gab Lob ebenso wie Tadel. Die Kursleiterin war konsequent, das war im Ergebnis allerdings hilfreich. Ja, manchmal dachte ich ans Aufhören. Man muss z.B. auch einen Bericht schreiben, der Bericht musste etwa sechs Seiten lang sein, hier war ganzer Einsatz gefordert. Und unsere Berichte wurden dreimal korrigiert. Aber am dritten Mal war es gut und wir hatten unsere Ergebnisse. Die Anstrengung hatte sich also ausgezahlt.

Was war das Besondere der Arbeit im Kurs?

Die Methodenvielfalt war eine Herausforderung. Und die Gruppenarbeit war wichtig, das hatte ich so noch nicht erlebt und ich war auch nicht daran gewöhnt. Das war auf jeden Fall ein Mehrwert für mich, das Präsentieren, Diskutieren in der Gruppe. Es war mir bald klar, dass ich diesen Vorteil gut einsetzen könnte, in der Arbeit und darüber hinaus.

Am Anfang war ich schockiert, dass man über die eigene Biografie erzählen soll. Das war schwierig, es gab Hemmungen, es stieg auch mal jemand aus. Und die meisten in der Gruppe waren Männer und aus verschiedenen Nationen, die öffnen sich nicht so leicht. Doch mit jedem Monat wurde es besser. Es ergab sich ein guter Gruppenkontakt, wir waren anfangs zwölf, dann so acht Leute, zu denen heute noch ein persönlicher Kontakt, ein Netzwerk besteht.

Haben Sie die Vorteile der KomBI-Laufbahnberatung gleich bemerkt oder ergab sich das Schritt für Schritt?

Es war ein Prozess. Ich erkannte aber auch bald den größten Vorteil für mich: Dass ich an dem dran war, was mir fehlte. Meine Denkweise war am Anfang: Das und das und das fehlt mir an Kompetenzen. Durch die Weiterbildung jedoch gewann ich einen anderen Blick. Man sieht, was man hat. Und erkennt, was man daraus machen kann. Das ist die Richtungsänderung, die mich voranbrachte.

Und welche Inhalte der KomBI-Laufbahnberatung haben Sie am meisten angeregt, bei sich persönlich etwas zu ändern?

Das war vor allem der Weg, wie man ein Ziel, sein eigenes Ziel, bestimmt. Welche Schritte wichtig sind, geplant und ausgeführt zu werden, damit sie erreicht werden können. Denn das Ziel reicht nicht, die Schritte zur Verwirklichung müssen detailliert feststehen. Und das Ordnen und sich sammeln bekam einen neuen Stellenwert. Das war für mich das Wichtigste, mit Folgen für meinen Alltag, in der persönlichen Selbstorganisation, auf Arbeit und eben darüber hinaus.

Was hat Ihnen die KomBI-Laufbahnberatung persönlich gebracht?

Mir half die Qualifizierung eigentlich umfassend, denn letztlich bin ich gut in Arbeit gekommen. Ich bin bei der Kompetenzerfassung für syrische Geflüchtete in der Erstaufnahmestelle hier in Sachsen-Anhalt, und da kann ich sehr gut die in der Beratung geübten Methoden des Gesprächs anwenden und bin froh, dass ich die KomBI-Laufbahnberatung gemacht hatte. Ich sage heute einem Ratsuchenden beispielsweise nicht: Mach dieses und das, investiere Deine Zeit in diese oder jene Qualifikation. Sondern ich sage: Baue darauf auf, was Du schon kannst und was Du möchtest, statt jetzt fünf Jahre wegzuwerfen und Deine berufliche Zukunft auf eine ungewisse Karte zu setzen.

Haben Sie Empfehlungen und Anregungen zur KomBI-Laufbahnberatung?

Wenn ich gefragt werden würde, ich würde jedem empfehlen es zu machen, weil die KomBI-Laufbahnberatung für umfassende Kompetenzfeststellung steht und das Persönliche unmittelbar einbezieht. Und gerade bei Migrantinnen und Migranten ist das Arbeiten mit den verschiedenen Methoden von Vorteil, weil sie anderes gelernt haben und diese Fähigkeiten aber brauchen werden.

Was ich für die Beratung selbst anregen würde: Es wäre sicherlich gut, wenn die KomBI-Laufbahnberatung jeweils von zwei Menschen mit Migrationsgeschichte durchgeführt würde. Wir sind dann das gute Beispiel für das, was machbar ist. Denn die meisten von uns hatten und haben keinen geraden Weg, aber haben es erstmal geschafft. Das denke ich wäre am besten. Das lebendige Beispiel ist wichtig.

Kontakt Servicestelle IQ "Diskriminierungskritisches Diversity und interkulturelle Prozessbegleitung"

KomBI-Laufbahnberatung (Zertifiziert von PerformPlus). Laut Stiftung Warentest das beste Kompetenzfeststellungsverfahren zur beruflichen Neuorientierung (Weiterbildungsguide 2017).


Video: Das IQ Netzwerk Sachsen-Anhalt. Beratung, Qualifizierung, Schulungen & Trainings.

Video: Was heißt Interkulturelle Öffnung und warum sollte man sich darauf einlassen? Und wie sieht ein interkultureller Öffnungsprozess in der Praxis aus?