Einzigartige Zusammenarbeit ermöglicht Berufseinstieg für Zugewanderte

Lange Arbeitszeiten und ein mieses Image: Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland bis zu 45.000 Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer. Wie kann man dem Fachkräftemangel in der Logistikbranche entgegenwirken, damit die Supermarktregale demnächst nicht leer bleiben und der öffentliche Nahverkehr weiter rollt?

Mit dem Bewusstsein für diese Problematik und einer großen Nachfrage von Zugewanderten in dieser Branche zu arbeiten, setzten sich im Frühjahr 2018 drei Akteure in Halle zusammen: Die  Willkommensbegleitung von Fachkraft im Fokus, das IQ Netzwerk Sachsen-Anhalt und das Jobcenter Halle (Saale). Sie entwickelten das Modellprojekt „Modulare Weiterbildung Kraftfahrerin und Kraftfahrer sowie Busfahrerin und Busfahrer“, um Menschen mit Migrationshintergrund eine berufliche Perspektive zu bieten und dem regionalen Fachkräftemangel zu begegnen.

Im Oktober 2018 starteten insgesamt 15 Kursteilnehmer aus Syrien und dem Iran, die nun in wenigen Wochen ihre Prüfung zum Kraftfahrer absolvieren werden. Doch bis dahin war es ein intensiver Weg der Beteiligten, um Antworten auf die zahlreichen Fragen in der Umsetzung zu finden: Welche Bedarfe haben die Logistikunternehmen? Was müssen die Bewerber mitbringen, um sich erfolgreich als Kraftfahrer zu qualifizieren? Welche sprachlichen Kenntnisse sind vorhanden? Wie kann sprachliche Qualifizierung mit fachlicher Vorbereitung kombiniert werden? Gemeinsam mit dem Jobcenter Halle (Saale) wurden die Voraussetzungen der Interessierten überprüft und die Sprachschule inlingua Halle sowie das Verkehrsinstitut Reimertshofer als Bildungseinrichtungen mit ins Boot geholt. „So konnten bereits in der Sprachausbildung Begriffe aus der Berufspraxis eines LKW-Fahrers mit einfließen“, erzählt Dozent Joachim Leuthold, Verkehrsinstitut Reimertshofer.

Keiner der Teilnehmer hat die Weiterbildung vorzeitig beendet. Entscheidend hierfür war, dass die einzelnen Abschnitte der Maßnahme stets begleitet waren durch intensiven Austausch der Akteure als auch die enge Betreuung der Teilnehmer. „Das funktioniert nur, wenn man sich gut kennt und kurze Wege hat“, so Vermittlerin Helga Handrischik vom Jobcenter Halle (Saale). Dies unterstreicht auch Dr. Brigitt Koschel vom IHK Bildungszentrum: „Durch die lückenlose Planung der Maßnahme fühlten sich die Kursteilnehmer gut aufgeboben und hatten das Ziel vor Augen“.

Die zukünftigen Kraftfahrer sind froh, diese Möglichkeit bekommen zu haben. „Busfahrer ist mein Traumjob, deswegen mache ich die Weiterbildung. Da ist man den ganzen Tag unterwegs und hat mit Menschen zu tun. Das gefällt mir. Außerdem sind die Lehrer sehr nett. Ich fühle mich hier nicht fremd, bestätigt Khaled Mohammad Ali. Auch Mohamad Aldaghli, Emad, der bereits LKW-Fahrer in der syrischen Armee war, freut sich über diese Chance. „Mir macht das Fahren dieser großen Fahrzeuge Spaß. Darum möchte ich jetzt den LKW-Führerschein in Deutschland haben.“ Zusätzliche Motivation gab es durch die schon vor den Prüfungen vorliegenden Jobzusagen von Unternehmen aus der Region Halle im Rahmen eines von Fachkraft im Fokus organisierten Job-Speeddatings.

 

Eine Gruppe von vier Menschen schaut in die Kamera. Es sind zwei Männer und zwei Frauen.
Ein Mann sitz im Führerhaus eines LKWs.
Man sieht alle Kursteilnehmer vor einem LKW

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